Erkennbare Fragen
- Hast du schon einmal gemerkt, wie spannend es sein kann, wenn du und dein Partner Kinder auf ganz unterschiedliche Weise in Bezug auf Glauben oder Lebensentscheidungen erziehen wollt?
- Kennst du das Gefühl, dass euer Kind zwischen zwei Elternteilen stehen kann, wenn ihr euch nicht einig seid, was gut für die Familie ist?
- Hast du schon einmal damit gerungen, wie ehrlich du gegenüber deinen Kindern über deine eigenen Überzeugungen sein kannst, ohne den anderen Elternteil schlechtzumachen?
- Kennst du den Stress, der entstehen kann, wenn Absprachen über medizinische Versorgung, Feiertage oder Zusammenkünfte plötzlich sehr heikel werden?
- Hast du schon einmal den Wunsch gehabt, in deiner Familie ruhig Grenzen zu setzen und dabei trotzdem die Bindung zu deinen Kindern und deinem Partner zu bewahren?
Eine „gemischte“ Familie — in der ein Elternteil aktiver ZJ ist und der andere weggegangen ist — stellt beide vor Herausforderungen. Dieser Artikel richtet sich speziell an die Situation des Elternteils, der gegangen ist und versucht, die Familie zusammenzuhalten.
Was es komplex macht
Kinder werden mit zwei Welten konfrontiert, die manchmal gegensätzliche Botschaften senden
Der gläubige Elternteil hat möglicherweise den Eindruck, dass der weggegangene Elternteil die Kinder „von Gott wegführt“
Der weggegangene Elternteil macht sich Sorgen über den Einfluss der Organisation auf die Kinder
Entscheidungen über medizinische Behandlung, Feiertage, Schulwahl und Freundschaften können Konfliktstoff sein
Was die Forschung über Kinder in gemischten Familien sagt
Forschung zu Kindern mit Eltern aus unterschiedlichen religiösen Hintergründen zeigt, dass es für Kinder weniger darauf ankommt, welchem Glauben die Eltern angehören, als darauf, wie die Eltern mit dem Unterschied umgehen. Kinder, die sehen, dass ihre Eltern respektvoll mit dem Unterschied umgehen, entwickeln in der Regel eine gesunde eigene Identität. Kinder, die in den Streit zwischen zwei Elternteilen hineingezogen werden, haben häufiger mit Loyalitätskonflikten zu tun.
Praktische Grundsätze
Sprich niemals vor den Kindern negativ über den anderen Elternteil — auch nicht über dessen Glauben. Das gilt für beide.
Trefft Vereinbarungen darüber, was ihr gemeinsam entscheidet — Zusammenkünfte, Blutpolitik bei medizinischer Behandlung, Feiertage — und haltet euch so gut wie möglich daran.
Lasst Kinder eigene Fragen stellen, ohne die Antworten vorzugeben. „Was denkst du?“ ist eine ehrlichere Frage als „So ist es“.
Blutpolitik: ein konkretes Anliegen
Wenn ein Elternteil die ZJ-Blutpolitik befolgen möchte und der andere nicht, ist es am besten, dies im Voraus festzulegen: Wer entscheidet in Notfällen? In Deutschland und den Niederlanden haben beide sorgeberechtigten Elternteile Mitspracherecht. Ein Arzt wird bei akuter Gefahr für das Kind die Einwilligung einholen und gegebenenfalls ein Gericht einschalten, wenn die Eltern sich nicht einig sind. Sprecht darüber mit dem Hausarzt oder Kinderarzt, bevor es zu einer Krise kommt.
Wann Mediation sinnvoll ist
Wenn die Kommunikation festgefahren ist — über Erziehung, Religion oder die Familie allgemein —, zieh eine Mediation in Betracht. Ein Familientherapeut oder Mediator mit Kenntnissen in weltanschaulichen Unterschieden kann helfen, Grundsätze festzulegen, die für beide umsetzbar sind.
Deine eigenen Grenzen
Du kannst gleichzeitig loyal zu deinen Kindern und zu deiner eigenen Integrität sein. Du musst nicht so tun, als würdest du glauben. Du darfst deinen Kindern sagen: „Papa/Mama glaubt das, ich sehe das anders.“ Kindern hilft Ehrlichkeit mehr als eine Scheinwelt.